Zurück von unserem friedlichen Trip nach Kaiping war unsere letzte Zeit in Kanton von famosen (und leider sündhaft teuren) japanischen Restaurants und dem absolut lohnenswerten Totenbesuch beim ehemaligen König (seiner Meinung nach Kaiser) von Südchina geprägt. Dessen Heimat (im Aggregatzustand "tot") und zwangsweise auch die Heimat (im selben Aggregatzustand) der vier Konkubinen, mehrerer Generäle und Diener enthielt dermaßen viele Schätze, dass man ein riesiges Museum drumherum errichten konnte.
Der König selbst wurde mit einem Jadepanzer umgeben, von denen jede einzelne Platte im Geschäft heute wohl neu mehrere tausend Euro kosten dürfte, weil das den Körper konservieren sollte (eine Legende). Schick, sowas will ich auch mal haben.
Abends ging es dann in den Stadtpark, der zum chinesischen Lichterfest mit Leuchtfiguren ausgestattet war. Sämtliche chinesische Sternzeichen wie hier das Hühnchen waren dabei, aber auch tolle, leuchtende und Nebel speiende Porzellangeschirrdrachen. Awesome.
Mittwoch, 22. Februar 2012
Lichterfest und Jadekaiser
Friedensstart
Kaiping, zu deutsch etwa "Friedensstart", ist Weltkulturerbe. Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts viele Südchinesen (nicht so sehr -innen) den hoffnungsvollen und absolut unterbezahlten Weg zum Schuften beim Aufbau der US-amerikanischen Eisenbahnen auf sich nahmen, schließlich nach Fertigstellung als Ausländer sehr unbeliebt wurden, weil sie anders aussahen und nun den nachrückenden US-Pionieren die Arbeitsplätze wegnahmen (man kennt das leider...), gingen diese eben zurück in ihre alte Heimat.
Sie brachten dabei eine Menge neuer Ideen, relativ viel Geld und meistens auch noch etwas übriggebliebene Energie und Motivation mit ins Land. Hier im Süden, etwa zweihundert Kilometer von Kanton, war aber ein ewiges Piraten- und Räubernest. Deshalb wurde hier auch Kaiping gegründet, damit hier endlich durch Besiedlung aus dem Norden etwas Frieden ins Land gebracht werde!
Die Rückkehrer bauten, wahrscheinlich weil am Anfang mal einer die Idee hatte, tausende Hochhäuser mit Wachturmfunktion, sogenannte Diaolous. Hier konnte man wohnen, sich hinter den Gitterfenstern vor den Räubern verschanzen und sie von den oberen Stockwerken befeuern. Das ist eine einzigartige Architektur, die an die heutigen Gated Communities erinnert.
Lohnenswert ist Kaipings Umgebung auch deshalb, weil sich hier verhältnismäßig wenig TouristInnen verirren (es ist nicht so actionreich wie Kanton) und es sogar Fahrradfernwege gibt. Lustig war auch die auf dem Weg liegende Klostadt Shuikou, die sich selbst selbstbewußt als "China Sanitary Ware City" bewirbt und wohl so viele Duschkopffabriken wie sonst niemand besitzt.
Sie brachten dabei eine Menge neuer Ideen, relativ viel Geld und meistens auch noch etwas übriggebliebene Energie und Motivation mit ins Land. Hier im Süden, etwa zweihundert Kilometer von Kanton, war aber ein ewiges Piraten- und Räubernest. Deshalb wurde hier auch Kaiping gegründet, damit hier endlich durch Besiedlung aus dem Norden etwas Frieden ins Land gebracht werde!
Die Rückkehrer bauten, wahrscheinlich weil am Anfang mal einer die Idee hatte, tausende Hochhäuser mit Wachturmfunktion, sogenannte Diaolous. Hier konnte man wohnen, sich hinter den Gitterfenstern vor den Räubern verschanzen und sie von den oberen Stockwerken befeuern. Das ist eine einzigartige Architektur, die an die heutigen Gated Communities erinnert.
Lohnenswert ist Kaipings Umgebung auch deshalb, weil sich hier verhältnismäßig wenig TouristInnen verirren (es ist nicht so actionreich wie Kanton) und es sogar Fahrradfernwege gibt. Lustig war auch die auf dem Weg liegende Klostadt Shuikou, die sich selbst selbstbewußt als "China Sanitary Ware City" bewirbt und wohl so viele Duschkopffabriken wie sonst niemand besitzt.
Dienstag, 21. Februar 2012
Akademisches Whampoa: We learn war.
In Kanton besuchten wir auch ein Nationalheiligtum der Chinesen - kostet nämlich nix ;-): Die Whampoa-Militärakademie. Eigentlich alle relevanten Revolutionäre aus Chinas Republikwerdungszeit (und die späteren Führungspersonen Taiwans und der Festlands-Volksbefreiungsarmee) waren hier versumpft.
Heute kann man den OffiziersanwärterInnen (Y. sagt immer etwas sehr solidarisch "Solidaten") beim Zigarette rauchen zuschauen, die patriotischen Geschichtsmuseen durchstöbern und ganz normale Menschen etwas abseits vom hektischen Stadtzentrum Kantons beobachten.
Heute kann man den OffiziersanwärterInnen (Y. sagt immer etwas sehr solidarisch "Solidaten") beim Zigarette rauchen zuschauen, die patriotischen Geschichtsmuseen durchstöbern und ganz normale Menschen etwas abseits vom hektischen Stadtzentrum Kantons beobachten.
Kantonesische Kuriositäten
Kanton (auf Chinesisch besser bekannt als Guangzhou) hat uns überrascht. Es ist mindestens genauso angenehm wie Shanghai und Peking - und im Gegensatz zu unseren vorherigen Reisezielen deutlich sauberer und besser organisiert. Englisch wird auch vereinzelt, und damit deutlich häufiger als anderswo, gesprochen.
Das mag daran liegen, dass es sich um eine wirkliche Multi-Kulti-Stadt handelt. Schon die ollen Römer waren hier, ab Macaos Gründung war hier der Handelshafen für die Europäer. Eine Zeit lang waren alle anderen chinesischen Häfen für Ausländer gesperrt. Von hier aus lief in den Opiumkriegen auch die Eroberung Chinas. Und während der Zeit des Bambusvorhangs, also etwa bis zur Kulturrevolution, hatte ganz China nur während der jährlichen Kantoner Handelsmesse Kontakt mit Weststaaten.
England erzwang sich auch eine eigene Sandbank (Shamian), die mittlerweile restauriert als "Europetown" dient und architektonisch spannend ist.
Wir versuchten hier im Eiltempo alles Kanton-typische und Seltsame zu erkunden, damit wir schneller als Merkel waren - soviel gebietet die Erkundungsehre! Zum Beispiel im ganz schön deutschen "1920"-Restaurant mit hausgemachten Spätzle. Ansonsten blieben wir aber ganz bei der kantonesischen Küche. "Hier wird alles gegessen, was schwimmt, außer das U-Boot, alles was vier Beine hat, außer der Tisch und alles, was fliegt, außer dem Flugzeug" bezieht sich nämlich auf die vielfältige und teilweise doch etwas eklige südchinesische Küche (Katzen, Hunde, Schlange, Schildkröte...). Besonders lecker ist der "Zaocha"-Frühtee mit Dim Sum - diese oft süßen, mit allen möglichen Köstlichkeiten gefüllten Teigtaschen sind hier zu Hause. Mmhmhm.
Das mag daran liegen, dass es sich um eine wirkliche Multi-Kulti-Stadt handelt. Schon die ollen Römer waren hier, ab Macaos Gründung war hier der Handelshafen für die Europäer. Eine Zeit lang waren alle anderen chinesischen Häfen für Ausländer gesperrt. Von hier aus lief in den Opiumkriegen auch die Eroberung Chinas. Und während der Zeit des Bambusvorhangs, also etwa bis zur Kulturrevolution, hatte ganz China nur während der jährlichen Kantoner Handelsmesse Kontakt mit Weststaaten.
England erzwang sich auch eine eigene Sandbank (Shamian), die mittlerweile restauriert als "Europetown" dient und architektonisch spannend ist.
Wir versuchten hier im Eiltempo alles Kanton-typische und Seltsame zu erkunden, damit wir schneller als Merkel waren - soviel gebietet die Erkundungsehre! Zum Beispiel im ganz schön deutschen "1920"-Restaurant mit hausgemachten Spätzle. Ansonsten blieben wir aber ganz bei der kantonesischen Küche. "Hier wird alles gegessen, was schwimmt, außer das U-Boot, alles was vier Beine hat, außer der Tisch und alles, was fliegt, außer dem Flugzeug" bezieht sich nämlich auf die vielfältige und teilweise doch etwas eklige südchinesische Küche (Katzen, Hunde, Schlange, Schildkröte...). Besonders lecker ist der "Zaocha"-Frühtee mit Dim Sum - diese oft süßen, mit allen möglichen Köstlichkeiten gefüllten Teigtaschen sind hier zu Hause. Mmhmhm.
Samstag, 11. Februar 2012
Guilin
Was machen mit dem Zwischenreisetag? Aus Yangshuo waren wir schon zurückgekommen, und unser Flug nach Guangzhou ("Kanton") war erst einen Tag später angesetzt. Also das beschauliche Guilin erkunden (etwa so groß, und so schön, wie Hannover).
Hier können wir eigentlich auch nur Kleinigkeiten berichten. Ich sah die erste politische Demo in Guangxi - jedenfalls wenn das Private bzw. das Speiseverhalten als politisch definiert wird. Als mich die Demonstrantin beim Fotografieren entdeckte, strahlte sie breit lächelnd, wohl erwartend, dass ich ein Fotoreporter von CNN oder BBC bin. Mal sehen, welchen Effekt das Cabrio so hat.
Im Freizeitpark "Seven stars", der eigentlich ziemlich langweilig ist, war wenigstens für die Kleinsten gesorgt. Kinder konnten zum Beispiel mit Thyssen-Krupp-Spielzeugkanonen auf Terroristen ballern. Yay! Oder, wenn das die Reflexe noch nicht ausreichend schult, in der großen CounterStrike-Area vergünstigt rein - als Erwachsener ist es da deutlich teurer! Auch eine Art Jugendschutz - Schutz davor, zu viel Geld auszugeben beim Ballern und Köpfe blutig explodieren lassen. Nun ja.
Y. jedenfalls war glücklich, dass es in Guilin die weltweit wohl einzige Pagode mit eingebautem Fahrstuhl zu besichtigen gab! Sonst ist sie ja nicht ganz so ein großer Treppensteig-Fan wie ich. Hier waren wir beide aber überglücklich...
Hier können wir eigentlich auch nur Kleinigkeiten berichten. Ich sah die erste politische Demo in Guangxi - jedenfalls wenn das Private bzw. das Speiseverhalten als politisch definiert wird. Als mich die Demonstrantin beim Fotografieren entdeckte, strahlte sie breit lächelnd, wohl erwartend, dass ich ein Fotoreporter von CNN oder BBC bin. Mal sehen, welchen Effekt das Cabrio so hat.
Im Freizeitpark "Seven stars", der eigentlich ziemlich langweilig ist, war wenigstens für die Kleinsten gesorgt. Kinder konnten zum Beispiel mit Thyssen-Krupp-Spielzeugkanonen auf Terroristen ballern. Yay! Oder, wenn das die Reflexe noch nicht ausreichend schult, in der großen CounterStrike-Area vergünstigt rein - als Erwachsener ist es da deutlich teurer! Auch eine Art Jugendschutz - Schutz davor, zu viel Geld auszugeben beim Ballern und Köpfe blutig explodieren lassen. Nun ja.
Y. jedenfalls war glücklich, dass es in Guilin die weltweit wohl einzige Pagode mit eingebautem Fahrstuhl zu besichtigen gab! Sonst ist sie ja nicht ganz so ein großer Treppensteig-Fan wie ich. Hier waren wir beide aber überglücklich...
Freitag, 10. Februar 2012
Yangshuo
Eigentlich fährt man gar nicht nach Guilin. Ziel ist eigentlich das winzige Kaff Yangshuo (mittlerweile 100000 Einwohner) mit seiner tollen Karstbergegegend, entlang am Fluss (=jiang) Li. Das hieß dann Lijiang Flusstour, und führt bei uns natürlich überhaupt nicht zu Verwechslungen mit unserem vorherigen Aufenthalt in Lijiang, der Stadt in Yunnan, weil das eine Li ja steigend und das andere fallend betont wird.
Auf dem Wasser war es natürlich nach wie vor neblig, was hier aber als "besonders romantisch" verkauft wurde. Die Gegend ist auch auf dem chinesischen 20-Yuan-Schein abgebildet, was mich zu endlosen "von wo wurde das Bild denn genau gemalt"-Fotopunktsuchaktionen brachte, die doch nie ausreichend gut waren, um die Banknote (Gegenwert zwei Euro) sinnvoll fälschen zu können.
Wir hatten immerhin ein super Hotel. Ok, wir wurden bestochen ("Jeder Gast, der hier seine Flitterwochen verbringt, erhält von uns eine Flasche Rotwein umsonst! Geht wild!"). Jedenfalls hatten wir genug Energie, um die ganze Flusstour gleich noch einmal zu machen, nur als Wanderung statt als Bootsfahrt. Da gab es zum Beispiel den Berg, in dem sich neun Pferde verstecken. Sechs davon sind zumindest den Yangshuo-Reiseführern bekannt, Top-Kaiserhofbeamte konnten natürlich alle neun und Bill Clinton hatte - mit Mühe - drei entdecken können. Was das aussagt, wurde im Raum stehen gelassen...
Auf dem Wasser war es natürlich nach wie vor neblig, was hier aber als "besonders romantisch" verkauft wurde. Die Gegend ist auch auf dem chinesischen 20-Yuan-Schein abgebildet, was mich zu endlosen "von wo wurde das Bild denn genau gemalt"-Fotopunktsuchaktionen brachte, die doch nie ausreichend gut waren, um die Banknote (Gegenwert zwei Euro) sinnvoll fälschen zu können.
Wir hatten immerhin ein super Hotel. Ok, wir wurden bestochen ("Jeder Gast, der hier seine Flitterwochen verbringt, erhält von uns eine Flasche Rotwein umsonst! Geht wild!"). Jedenfalls hatten wir genug Energie, um die ganze Flusstour gleich noch einmal zu machen, nur als Wanderung statt als Bootsfahrt. Da gab es zum Beispiel den Berg, in dem sich neun Pferde verstecken. Sechs davon sind zumindest den Yangshuo-Reiseführern bekannt, Top-Kaiserhofbeamte konnten natürlich alle neun und Bill Clinton hatte - mit Mühe - drei entdecken können. Was das aussagt, wurde im Raum stehen gelassen...
Donnerstag, 9. Februar 2012
Nebeldrachenrücken
Zurück aus der fernen Südwestprovinz Yunnan in die "Zivilisation"! Guilin in der Guangxi-Provinz hieß unser neues Ziel. Der einsame Lügner/Planet sagt zu dieser Stadt: "Mention you're going to Guilin to any Chinese person and you'll almost certainly receive longing looks of jealousy." Auf jeden Fall hat Guangxi große Nebelvorräte, wie wir festgestellt haben.
Das erste Ziel waren die "Drachenrückenknochenreisterrassen". Das sind die wohl berühmtesten Reisterrassen in China. Die Tour dahin war wieder ein toller Spaß mit dem beliebten "Ach übrigens habt ihr noch eine optionale, nicht billige Veranstaltung - die Langhaarfrauenshow. Wenn ihr da nicht mitmachen wollt, auch kein Problem, ihr könnt ja dann warten, bis die anderen damit fertig sind." Grr.
Im Nachhinein war das aber wirklich praktisch, denn der Nebel machte die Reisterrassen doch... ein wenig undurchsichtig. Die Langhaarfrauenshow war wieder so eine "kleine Gruppe hat komischen Brauch, wir machen ein Megaevent draus"-Sache. Die unverheirateten Damen des Dorfes ließen sich nämlich die Haare wachsen und schnitten sie im Leben nur einmal, nämlich mit dem Erwachsen werden. Außerdem sammeln sie alle ausgefallenen Haare. Damit haben sie dann drei Sätze Haare: die Originalhaare auf dem Kopf, die Jugendhaare, und die zusammengestückelten Fallhaare. In die daraus resultierende Haarkämmshow wurde dann noch ein "ist hier jemand unverheiratet?"-Event eingebaut, in dem die männlichen Singles mit den weiblichen Dorfsingles verkuppelt wurden und lustige, haarige Zeremonien hinter sich bringen mussten. Mit viel Schnaps. Ihr könnt es Euch ungefähr vorstellen, es war sehr authentisch und kaum touristisch, aber eben auch nicht so neblig.
Danach waren wir dann erst mal zwangsweise essen und schließlich, nach etwa vier Stunden, hatten wir eine Stunde für das eigentliche Planziel: Die Wanderung in den Drachenrückenterrassen. Y. und ich hatten im Rekordtempo als einzige beide Aussichtspunkte besuchen können, aber so richtig beeindruckend war die Drachenperspektive dann nicht. L. hatte uns schon vorgewarnt... Die anderen, chinesischen MittouristInnen ließen sich vom Wetter natürlich nicht abhalten und machten die beliebten Fake-Fotos. Uns war es so recht wie es war - Die chinesischen Drachen hatten der Legenda nach die Fähigkeit der Wetterkontrolle und konnten insbesondere Wasser regnen lassen, so dass der Nebel für uns eigentlich die echte Macht der Drachen demonstierte.
Das erste Ziel waren die "Drachenrückenknochenreisterrassen". Das sind die wohl berühmtesten Reisterrassen in China. Die Tour dahin war wieder ein toller Spaß mit dem beliebten "Ach übrigens habt ihr noch eine optionale, nicht billige Veranstaltung - die Langhaarfrauenshow. Wenn ihr da nicht mitmachen wollt, auch kein Problem, ihr könnt ja dann warten, bis die anderen damit fertig sind." Grr.
Im Nachhinein war das aber wirklich praktisch, denn der Nebel machte die Reisterrassen doch... ein wenig undurchsichtig. Die Langhaarfrauenshow war wieder so eine "kleine Gruppe hat komischen Brauch, wir machen ein Megaevent draus"-Sache. Die unverheirateten Damen des Dorfes ließen sich nämlich die Haare wachsen und schnitten sie im Leben nur einmal, nämlich mit dem Erwachsen werden. Außerdem sammeln sie alle ausgefallenen Haare. Damit haben sie dann drei Sätze Haare: die Originalhaare auf dem Kopf, die Jugendhaare, und die zusammengestückelten Fallhaare. In die daraus resultierende Haarkämmshow wurde dann noch ein "ist hier jemand unverheiratet?"-Event eingebaut, in dem die männlichen Singles mit den weiblichen Dorfsingles verkuppelt wurden und lustige, haarige Zeremonien hinter sich bringen mussten. Mit viel Schnaps. Ihr könnt es Euch ungefähr vorstellen, es war sehr authentisch und kaum touristisch, aber eben auch nicht so neblig.
Danach waren wir dann erst mal zwangsweise essen und schließlich, nach etwa vier Stunden, hatten wir eine Stunde für das eigentliche Planziel: Die Wanderung in den Drachenrückenterrassen. Y. und ich hatten im Rekordtempo als einzige beide Aussichtspunkte besuchen können, aber so richtig beeindruckend war die Drachenperspektive dann nicht. L. hatte uns schon vorgewarnt... Die anderen, chinesischen MittouristInnen ließen sich vom Wetter natürlich nicht abhalten und machten die beliebten Fake-Fotos. Uns war es so recht wie es war - Die chinesischen Drachen hatten der Legenda nach die Fähigkeit der Wetterkontrolle und konnten insbesondere Wasser regnen lassen, so dass der Nebel für uns eigentlich die echte Macht der Drachen demonstierte.
Freitag, 3. Februar 2012
Reise des Glücks
Unsere letzte geplante Aktivität in der Yunnan-Provinz war eine Hiking-Tour entlang des Lugu-Sees. So richtig geplant allerdings doch nicht ganz - eigentlich sollte es eine E-Bike-Tour um den ganzen See herum werden. Das scheiterte allerdings am sechs Fussstunden entfernten nächsten Bankautomaten, Ebbe in unserer Bike-Ausleih-Kasse, Ebbe in unserer Nahrungsmittel-Wasserkauf-Überleben-Kasse und der Tatsache, dass es auch gar keine versprochenen E-Bikes gab, sondern nur normale, d.h. viel zu kleine und für die Seehügel dank Eingangschaltung ungeeignete Drahtesel.
So wurde es also ein Spaziergang. Wir planten, zum Haus der Yang Erche Namu (im Folgenden kurz YEN) zu gehen. Diese war eine der ersten Ausreißerinnen der Mosuo. Die Mosuo sind die letzte Überlebende matriarchalische Gesellschaft (seit dem Ende einiger Experimente der 68er). Die Männer sind immer nur auf Abruf zu Besuch, das nennt sich dann "Heirat im Vorübergehen". You gotta walk the walk...
Von dieser Welt berichtete jedenfalls, nach Ansicht Ihrer zahlreichen Mosuo-Kritikerinnen stark exotifiziert, die YEN, die sich schließlich als Vorzeige-Minderheitenfrau mit dem roten Regime in Peking während der Kulturrevolution arrangierte und auch deshalb dieses tolle Haus geschenkt bekam. Nebenbei war sie Model und lebte eine Zeit lang in Kalifornien.
Da wollten wir hin. Eintritt in ihr Haus war schwierig aufgrund unserer privaten Finanzkrise. Aber, oh Wunder! Hat man den Blick beim Wandern vor die Füße gerichtet, kann man doch glatt einen passenden 50 Yuan-Schein vor sich liegen finden! Das waren Eintritt UND Trinkgeld!
Und nochmal oh Wunder, die eigentlich hauptwohnsitzmäßig in Peking lebende YEN war nicht nur aufgrund der chinesischen Neujahrs in der Gegend, sondern traf etwa zehn Sekunden vor uns bei ihrem Haus ein, lud uns zum von ihrer Oma selbst gemachten Weißwein ein und plauderte ganz unverblümt mit uns. Wir waren baff.
In Ihrer Bar fand sich dann auch der Grund, warum Rotchinas (größtenteils männliche) Funktionäre in den Siebzigern sie so toll fanden - sie hatte eine ausgesuchte Sammlung von Rotfahnenträgerinnenpornographie. So scheint es jedenfalls... (Lektüretipp hierzu übrigens "The Mao Case" von Qui Xiaolong und die Berichte über Mao von seinem Arzt)
So wurde es also ein Spaziergang. Wir planten, zum Haus der Yang Erche Namu (im Folgenden kurz YEN) zu gehen. Diese war eine der ersten Ausreißerinnen der Mosuo. Die Mosuo sind die letzte Überlebende matriarchalische Gesellschaft (seit dem Ende einiger Experimente der 68er). Die Männer sind immer nur auf Abruf zu Besuch, das nennt sich dann "Heirat im Vorübergehen". You gotta walk the walk...
Von dieser Welt berichtete jedenfalls, nach Ansicht Ihrer zahlreichen Mosuo-Kritikerinnen stark exotifiziert, die YEN, die sich schließlich als Vorzeige-Minderheitenfrau mit dem roten Regime in Peking während der Kulturrevolution arrangierte und auch deshalb dieses tolle Haus geschenkt bekam. Nebenbei war sie Model und lebte eine Zeit lang in Kalifornien.
Da wollten wir hin. Eintritt in ihr Haus war schwierig aufgrund unserer privaten Finanzkrise. Aber, oh Wunder! Hat man den Blick beim Wandern vor die Füße gerichtet, kann man doch glatt einen passenden 50 Yuan-Schein vor sich liegen finden! Das waren Eintritt UND Trinkgeld!
Und nochmal oh Wunder, die eigentlich hauptwohnsitzmäßig in Peking lebende YEN war nicht nur aufgrund der chinesischen Neujahrs in der Gegend, sondern traf etwa zehn Sekunden vor uns bei ihrem Haus ein, lud uns zum von ihrer Oma selbst gemachten Weißwein ein und plauderte ganz unverblümt mit uns. Wir waren baff.
In Ihrer Bar fand sich dann auch der Grund, warum Rotchinas (größtenteils männliche) Funktionäre in den Siebzigern sie so toll fanden - sie hatte eine ausgesuchte Sammlung von Rotfahnenträgerinnenpornographie. So scheint es jedenfalls... (Lektüretipp hierzu übrigens "The Mao Case" von Qui Xiaolong und die Berichte über Mao von seinem Arzt)
Donnerstag, 2. Februar 2012
Momo's See
Nach dem Lonely Liar/Planet war unser nächstes Reiseziel, der Lugu-See, etwa 8 Busstunden entfernt. Kein (Michael?) Ende in Sicht. Nachdem wir die Straßenqualität begutachtet hatten, war uns auch klar, warum. Unser späterer Rückfahrtfahrer schaffte es auch noch, die Strecke in der Hälfte der Zeit zu packen, was zu spannenden Gesprächen mit einigen der Beifahrerinnen führte, die sogar ich übersetzen konnte ("Idiot!" "Fährst Du oder fahre ich?").
Das Seepanorama war es dann aber wert. Hat mich sehr an den Titicacasee in Perulivien erinnert, was Aussehen, Bootstouren, Höhe, indigene Bevölkerung etc. angeht. Abends und kaum wegverhandelbar ("optionaler, vorher nicht angekündigter Teil des Tourenprogramms für nur 100 Yuan extra - wer nicht will, auch kein Problem, man kann dann einfach die zwei Stunden auf die anderen warten!") war das Essen bei den Leuten der Mosuo-Minderheit.
Zur Mosuo-Minderheit muss man sagen, dass sie nach chinesischer Ansicht eigentlich gar keine Minderheit sind. Als solche wird man nur gezählt, wenn man eine eigene Schrift hat. Die Mosuo haben zwar eine andere Sprache, verwenden aber gar keine Schrift und zählen damit zur umgebenden Naxi-Minderheit. Wir erlebten also das Essen und authentische Volkssänge der Mosuo-Minderheit.
Das Essen war seltsamerweise genau wie die Zimmereinrichtiung tibetanisch. Die Volkssänge waren ebenso seltsamerweise auf Han-Chinesich (!) und wurden zum Abschluss mit einem kräftigen "Yasuo, Yasuo, Ya Ya suo! Mosuo, Mosuo, Momo suo! zelebriert". Yasuo bedeutet soviel wie "Gib Gas (Haider)", und Mosuo ist ja die lokale Minderheit. Interessanterweise ist "Yasuo" aber gar kein Mosuo, sondern tibetanisch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber Naxi-Tibetaner etc. sind auch total häufig in der Gegend. Abends ging es dann noch zu einem sicher ebenso authentischen Mosuo-Volkstanz (mit Breakdance-Einlagen).
Der Original Mosuo-Taxifahrer am nächsten Morgen klärte uns dann über diese Missverhältnisse auf, so dass wir hier im Cabrio die Wahrheit und nichts als die Wahrheit verkünden können.
Das Seepanorama war es dann aber wert. Hat mich sehr an den Titicacasee in Perulivien erinnert, was Aussehen, Bootstouren, Höhe, indigene Bevölkerung etc. angeht. Abends und kaum wegverhandelbar ("optionaler, vorher nicht angekündigter Teil des Tourenprogramms für nur 100 Yuan extra - wer nicht will, auch kein Problem, man kann dann einfach die zwei Stunden auf die anderen warten!") war das Essen bei den Leuten der Mosuo-Minderheit.
Zur Mosuo-Minderheit muss man sagen, dass sie nach chinesischer Ansicht eigentlich gar keine Minderheit sind. Als solche wird man nur gezählt, wenn man eine eigene Schrift hat. Die Mosuo haben zwar eine andere Sprache, verwenden aber gar keine Schrift und zählen damit zur umgebenden Naxi-Minderheit. Wir erlebten also das Essen und authentische Volkssänge der Mosuo-Minderheit.
Das Essen war seltsamerweise genau wie die Zimmereinrichtiung tibetanisch. Die Volkssänge waren ebenso seltsamerweise auf Han-Chinesich (!) und wurden zum Abschluss mit einem kräftigen "Yasuo, Yasuo, Ya Ya suo! Mosuo, Mosuo, Momo suo! zelebriert". Yasuo bedeutet soviel wie "Gib Gas (Haider)", und Mosuo ist ja die lokale Minderheit. Interessanterweise ist "Yasuo" aber gar kein Mosuo, sondern tibetanisch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber Naxi-Tibetaner etc. sind auch total häufig in der Gegend. Abends ging es dann noch zu einem sicher ebenso authentischen Mosuo-Volkstanz (mit Breakdance-Einlagen).
Der Original Mosuo-Taxifahrer am nächsten Morgen klärte uns dann über diese Missverhältnisse auf, so dass wir hier im Cabrio die Wahrheit und nichts als die Wahrheit verkünden können.
Mittwoch, 1. Februar 2012
Guo nian hao! (Verbringt ein gutes Jahr!)
Das Jahr des Drachens ist über uns gekommen. Vor kurzem war es auch für uns soweit: Frühlingsfest (=Silvester) in China, das wichtigste Fest des Jahres! Wir hatten nach langen und zähen Verhandlungen schließlich einen besonderen Dispens bekommen - obwohl wir uns in China befanden und eigentlich keine Ausrede gehabt hätten (auch nicht die 4000 km Entfernung), durften wir wegen unserer Flitterwochen das Neujahrsfest ausnahmsweise auswärtig und nicht zu Hause in Fushun feiern.
Dafür zahlten wir natürlich drauf: Alle Preise waren standesgemäß erhöht und als Ersatzleistung gab es von unserem Herbergsvater, der für seine Familie gekocht hatte, das gut gemeinte Angebot, uns und die gar nicht so wenigen Gäste in unserer Situation mit beim traditionellen Abendessen zu versorgen. Wir "außerfamiliaren" saßen dann auch an einem extra Tisch und hatten viel Spaß. Der Herbergsvater/Koch machte für meinen Geschmack ganz gutes Essen, für die anwesenden ChinesInnen war es aber wohl nur mittelmäßig. Und die in Nordchina üblichen Mitternachtsjiaozi wurden stillos vorgezogen. Geballert wurde übrigens zwar für deutsche nicht-Kreuzberger Verhältnisse unglaublich viel, aber wohl weniger als in den Jahren zuvor. Trotzdem zeigte der Pekinger Luftqualitätsmesser der US-Botschaft dort für Neujahr zum ersten Mal in diesem Jahr den Wert "Katastrophal" an. Gut, dass wir weit weg in der beschaulichen Kleinstadt (1,2 Millionen Einwohner) Lijiang waren.
Unser früheres Kälteproblem behoben wir ab Neujahr dann übrigens auch mit Heizlüfter auf voller Stufe, einem Umzug ein Stockwerk höher und die Schleimhäute schonten wir dabei mit einer lustigen Wasserbeckenkonstruktion. Eine große Verdunstungsfläche war leider nicht drin. Nun, es war immer noch wärmer als beim lustigen Sibieren-Tief in Deutschland - endlich ist es da mal kälter als in Fushun. Vorteil von solchem Klirrfrost ist ja z.B., dass nach Zahn-OPs die Kühlung deutlich unproblematischer vonstatten geht (nutze diesen Vorteil gut, Sj.!). Wer sich rechtzeitig mit Thermo-Unterwäsche, Buff-Fleece-Röhrenschals, Windbreaker-Mützen und Fettcreme ausgestattet hat, sollte aber überleben. Viel Glück Euch! Die aktuelle Außentemperatur der Blogstation ist übrigens 15 Grad plus in Kanton (*prahl*), Südchina, wo wir Merkel beim Chinabesuch wohl knapp verpassen.
Jedenfalls blogbedingt leicht verspätet allen Leserinnen und Lesern ein frohes neues Drachenjahr!
Dafür zahlten wir natürlich drauf: Alle Preise waren standesgemäß erhöht und als Ersatzleistung gab es von unserem Herbergsvater, der für seine Familie gekocht hatte, das gut gemeinte Angebot, uns und die gar nicht so wenigen Gäste in unserer Situation mit beim traditionellen Abendessen zu versorgen. Wir "außerfamiliaren" saßen dann auch an einem extra Tisch und hatten viel Spaß. Der Herbergsvater/Koch machte für meinen Geschmack ganz gutes Essen, für die anwesenden ChinesInnen war es aber wohl nur mittelmäßig. Und die in Nordchina üblichen Mitternachtsjiaozi wurden stillos vorgezogen. Geballert wurde übrigens zwar für deutsche nicht-Kreuzberger Verhältnisse unglaublich viel, aber wohl weniger als in den Jahren zuvor. Trotzdem zeigte der Pekinger Luftqualitätsmesser der US-Botschaft dort für Neujahr zum ersten Mal in diesem Jahr den Wert "Katastrophal" an. Gut, dass wir weit weg in der beschaulichen Kleinstadt (1,2 Millionen Einwohner) Lijiang waren.
Unser früheres Kälteproblem behoben wir ab Neujahr dann übrigens auch mit Heizlüfter auf voller Stufe, einem Umzug ein Stockwerk höher und die Schleimhäute schonten wir dabei mit einer lustigen Wasserbeckenkonstruktion. Eine große Verdunstungsfläche war leider nicht drin. Nun, es war immer noch wärmer als beim lustigen Sibieren-Tief in Deutschland - endlich ist es da mal kälter als in Fushun. Vorteil von solchem Klirrfrost ist ja z.B., dass nach Zahn-OPs die Kühlung deutlich unproblematischer vonstatten geht (nutze diesen Vorteil gut, Sj.!). Wer sich rechtzeitig mit Thermo-Unterwäsche, Buff-Fleece-Röhrenschals, Windbreaker-Mützen und Fettcreme ausgestattet hat, sollte aber überleben. Viel Glück Euch! Die aktuelle Außentemperatur der Blogstation ist übrigens 15 Grad plus in Kanton (*prahl*), Südchina, wo wir Merkel beim Chinabesuch wohl knapp verpassen.
Jedenfalls blogbedingt leicht verspätet allen Leserinnen und Lesern ein frohes neues Drachenjahr!
Freitag, 27. Januar 2012
Heiß wie ein Vulkan
ist es nicht gerade in Lijiang, dem super-duper-mega-touristischem Altstädtchen in Chinas südwestlichen Berg- und Dschungelprovinz Yunnan ("Wolke Süd"). Aus sehr sinnvollen Denkmalschutzgründen darf es in der Lijiang-Altstadt, in der wir nun einmal wohnten, keine neumodischen Heizmechanismen geben (und auch keine äquivalent wirksamen Klimaanlagen-Systeme). Bin ich auch voll dafür! Obwohl die Frage durchaus bleibt, ob dieses hier abgebildete Ersatzsystem den wirklich besser ist - energiefressend, laut, gar nicht ästhetisch, nur geringfügig atemwegsschonender als "feuchtklamme, nasse Kälte".
In China ist es wohl ausgemachte Sache, ohnehin südlich des Yangtzekiang keine Heizsysteme zu erlauben bzw. zu unterstützen, was ich auch etwas arbiträr finde, zumal die 2000m-Hochlagen in fast direkt am Yangtze gelegenen Lijiang und die subtropischen Pseudo-Winter in Sanya doch verkühlungstechnisch ganz schön unterschiedlich sind.
Vermutlich als Resultat davon konnte ich auch meinen ersten eigenen Besuch bei einer chinesischen Ärztin machen (wegen Verdacht auf Bronchitis). Die resultierenden Medikamente haben zusammen mit der Beratungsgebühr etwa 8 Euro gekostet (während ein frisch gepresster Pfirsichsaft heute im Flughafenrestaurant ebenso viel gekostet hat - es ist also nicht so, als sei das Preisniveau in China generell krass niedrig). Pangdahai mit Lakritzbonbons, Chrysanthementee und noch ein paar anderen Ingredienzien aus der chinesischen Medizin waren, da es sich eh um eine virale Infektion handelte, die nicht mit Antibiotika bekämpft werden konnte, das geeignete Mittel.
Oh, ach ja. Was haben wir eigentlich gemacht in Lijiang? Zunächst einmal und für heute der Abschlussbericht war die Hauptquartier-Funktion für unsere Tour zu Tigersprungschlucht/Tiger leaping gorge. Der Legende nach sprang hier einst ein Tiger von der einen Seite des Yangtze zur anderen, was aufgrund der etwa 1000 Meter hohen Schluchten zu beiden Seiten nur durch relativ elegantes herunterhangeln an der Schluchtkante, guten Anlauf und hohe Motivation geklappt haben kann. Ok, die einzigen Tiger, die hier jemals herübergesprungen sind, waren wohl Plüschtiger, aber es macht eine gute Legende.
Donnerstag, 26. Januar 2012
Papa Razzi
Das Cabrio war schon immer gut darin, böse Dinge zu tun. Oder etwa nicht? Nach Erwerb des aufgrund thailändischer Überschwemmungen stark vergüngstigt erhältlichen 18-200mm Telezoomobjektivs für meine neue Kamera stellte ich erstaunt und ziemlich überrascht fest, dass man mit so einem Teleobjektiv nicht nur tolle Nahaufnahmen machen kann (nicht so gut wie mit einem Makro, aber immerhin). Nein! Man kann auch Papa Razzi spielen!
So lief ich also beim Warten auf den Anschlussflieger regelmäßig im Flughafen von Kunming herum und konnte wahllos Leute ablichten, ohne dass diese das groß mitbekommen können. Da sind richtige Charakterstudien drin...
Das vorher oder zumindest nachher fragen, ob man das Bild für das Cabrio verwenden kann, gestaltete sich aufgrund der Abwesenheit von Y. und der ebenfalls bedauerlichen Abwesenheit ausreichender Chinesischkenntnisse schwierig.
Rechtlich ist es wahrscheinlich sogar ok, da ich die Aufnahmen erst in Deutschland verwende und publiziere und das Recht am eigenen Bild nicht wie das Urheberrecht international auch strafrechtlich anwendbar ist(? In Deutschland könnte der hier Abgebildete wohl schon zivilrechtlich Unterlassung verlangen, vermute ich?) Andererseits - darf ein deutsches Magazin z.B. Bilder von US-amerikanischen SchauspielerInnen zeigen, ohne dass diese zustimmen?
Moralisch ist es natürlich fragwürdig. Klar, auf Standard-Urlaubsaufnahmen findet man auch so manches Gesicht auf ansonsten durchaus üblichen und legalen Flughafen-Warteraum-Bilder, aber die Porträt-Großaufnahme ist doch schon qualitativ eine andere Nummer.
Allerdings dürfte es auch niemanden so richtig stören, solange das Cabrio kein Geld mit Werbung macht und die zufällig Abgebildeten sich wohl (derzeit) mangels geeigneter Google-My-Own-Image-Suchalgorithmen niemals daran stören werden.
Was sagt das Publikum?
Sonntag, 22. Januar 2012
We had to resort to resorts
Auch um die Flitterwochen beim Veranstaltungsteam mit Mehrheit, dann sogar mit 100%iger Mehrheit, durchzubekommen, war ein vielfältiges Programm nötig: Städte(kul)touren, alpines/himalayisches Bergwandern, Radtouren sowie Erholungsurlaub am Strand. Natürlich haben wir mit dem Erholungsurlaub am Strand angefangen... und das war auch gut so!
Beim Flug zu der Südmeerinsel - ja genau, "der" Südmeerinsel, Hainandao übersetzt sich kreativerweise genau zu "Meer Süd Insel" - kam ich nämlich akut erholungsbedürftig aus dem Flugzeug. Der länger schon latent minimal vorhandene Schnupfen sorgte nämlich für ein vollständig verstopftes Eustachisches Röhrchen. Damit war nix mehr mit Schlucken oder Kaugummikauen zum Druckausgleich - es tat einfach richtig weh. So richtig gute Tricks dagegen habe ich auch nachher mit Googeln nicht gefunden, außer "bei der Landung Ohren mit Plastikbechern abdecken", was sicher selten dämlich aussieht und beim dem Flug mangels Bechern auch gar nicht ging.
Dafür kann man danach eigentlich nur noch Gutes erzählen. Sanya ist grundsätzlich eine reine Badeortstadt, mit 500 000 Einwohnern aber eigentlich deutlich zu groß dafür. Anders als z.B. in Varadero, Kuba erhält man also zwangsläufig noch Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung - außerdem machen hier auch in der Mehrheit Inländer Urlaub, anders als auf Mallorca oder eben insbesondere Kuba.
Die wirklich exklusiven Gegenden gibt es aber auch, in der Yalong-Bucht. Da ist dann aber wirklich nur Marriott neben Hilton etc. Aber auch das haben wir per Bus einen Tag ausprobiert und konnten mit dem gemieteten Fahrrad nach circa 30 Minuten zu einsamen Wasserbüffeln und einsamen Bauernhöfen vordringen.
Anyway, viel mehr gibt es nicht zu erzählen - es war erholsam, wir haben den Pool als Strandersatz genutzt (weil "unser" nicht-exklusiver Strand doch recht siffig und die Aussicht besser war). Ansonsten sind wir eigentlich nur noch den Sanya-Liebeshügel hochgeklettert. Das klingt deutlich unjugendfreier als es ist (und dann doch wieder nicht)- der Liebeshügel Luhuitou ist dort, wo nach 99 Tagen Jagd der Jäger aus dem indigenen Volk der Li dieser der Legende nach endlich das Reh stellen konnte, es einen Blick zurück auf den Jagenden warf und sich - oh Wunder und unerwarteter Zufall - in eine Li-Frau verwandelte. Beide verliebten sich instantan und die Jagd wurde aufgegeben und statt dessen lebten sie glücklich und zufrieden bis zu dem Tag, an dem die touristische Massenerschließung des Hügels begann...
Samstag, 14. Januar 2012
Nach den Vorbereitungen ist vor den Vorbereitungen
In Deutschland findet man hier eher A Plusplus, A Plus und A (oder habe ich das mit Kühlschränken verwechselt). Bei dieser Klimaanlage kann stolz die roteste Note bei der Umweltfreundlichkeit vermerkt werden.
Eigentlich dachte ich, nach meinem letzten großen Projekttreffen für das TMCC müsste ich für die Flitterwochen nichts mehr groß vorbereiten. Das war falsch.
Eigentlich dachte ich dann, nach Weihnachten und allen gekauften Geschenken müsste ich für die Flitterwochen nichts mehr groß vorbereiten. Das war falsch.
Eigentlich dachte ich schließlich, nach langen Telefongesprächen mit China (Y. bestand fast schon vernünftigerweise darauf, zumindest mal nachzufragen, ob es unsere Zielorte noch gibt) müssten wir für die Flitterwochen nichts mehr groß vorbereiten. Wieder falsch.
Verzweifelt dachte ich endlich, nach dem Einsteigen ins Flugzeug und der Zwangstrennung vom Internet könnten wir für die Flitterwochen nichts mehr groß vorbereiten. Das war richtig, aber sobald wir wieder gelandet waren, ging es gleich weiter...
Wir hatten anfangs ja einen Tag Beijing eingeplant, bevor es in den wirklichen Süden gehen sollte. Das war auch gut so. Mein sonst immer prächtig funktionierendes, fabulöses In-Zimmer-Ordnungssystem ließ mich im Stich. Wo war die Datenflatrate-SIM-Karte für China? "Es gibt da notfalls einen China Telecom-Filiale direkt bei uns um die Ecke, nein halt, die macht Samstag Ruhetag! Aber noch eine, in nur einer Stunde per Bus erreichbar, hat auf!" waren die letzten Worte gewesen, mit denen Y. mich besänftigen konnte.
Nun also unser Ankunftsprogramm: Zuerst zur Flughafen-Post, um da die erst in Fushun benötigten Klamotten per Post nach Hause schicken zu lassen. Dann zum Terminal 3 wechseln, um schon einmal die reservierten Flugtickets für morgen zu bezahlen. "Jetzt hat alles wirklich Wichtige geklappt, super! Der Rest wird einfach." waren Y.s frohe Worte.
Das kostenlose Shuttle brachte uns dann schon zu unserem Hotel. Die erste Überraschung: Es handelt sich nach Y.s Aussage wohl um ein Land- nicht Stadthotel. Unser letztes ibis war nämlich sauber und bequem (wenn auch etwas eng). Dieses war nicht so sauber und unpraktisch ("WLAN? Haben wir nicht."), wenn auch ausgesprochen geräumig.
Zum Hotel hatte Zhou Yao noch Ihren Personalausweis/ID-Karte und Ihre chinesische Flatrate-SIM-Karte per Expresspost schicken lassen. Diese vor unserer Ankunft zu schicken, wäre nach Y. zu riskant gewesen - Landhotelbesatzungen ist nicht zu trauen. Leider kam und kam die Expresspost nicht an (der Landpost ist wohl auch nicht zu trauen?)
Ohne SIM-Karte konnten wir aber auch nicht gut bei der Post anrufen und uns den Tracking-Status liefern lassen.
Überraschung zwei: Die China Telecom-Filiale um die Ecke hatte doch offen - das Internet lügt also doch. Nachdem die Eingabe meiner deutschen Passnummer das System (Linux!) zum Neustart (Linux?) gebracht hatte (so mit spannendem Einblick in das Konsolenbootlog), ging es beim zweiten Mal dann doch (wirklich Linux??) und wir hatten nach Zahlung von 50 Euro Kaution eine neue Internet-Flatrate-SIM. Die 50 Euro Kaution mussten wir zahlen, weil Zhou Yao nicht wohnhaft in Beijing ist und ich wohl auch nicht. Was dieses Mal Y. fast in den Wahnsinn getrieben hatte ("500 Yuan! Wucher! Das würde es in D.land nicht geben!").
Die Flatrate galt dann aber nur für Nicht-Hong Kong-China. Was die Angestellten in Erklärungsnöte brachte ("Ist oder ist Hong Kong nicht Teil Chinas?"). Ein sehr sensitives Thema.
Als ich dann endlich wieder online war, konnten wir endlich beim Postamt anrufen. "Ja das ist hier. Also beim Postamt. Warum, weiß ich nicht. Wir machen aber gleich zu." waren die fatalen Ansagen. Ohne ID-Karte wären die Flitterwochen gar nicht mehr so gut gegangen ("Dann wäre die ja irgendwann in der Obhut des Landhotelpersonals gelandet!").
Also auf ins wunderbarerweise nur 10 Autominuten entfernte Postamt. Nachdem das Hotel versagt hatte ("Taxis rufen wir hier nicht") und wir auch keinen Erfolg hatten und schon von schwarz arbeitenden Fahrern angesprochen wurden (was Y. erst mit Schweigen und dann mit "Nein, niemals würde ich bei Ihnen mitfahren" quittierte), sind wir dann mit demselben schwarz arbeitenden Fahrer zur Post befördert worden. Für unsere Notlage dank der offensichtlich geplanten Gesprächstaktik Y.s zum Wucherpreis, aber eben zum leistbaren Wucherpreis von 1,5 Euro.
Die Post hatte dann das Paket auch da und es stellte sich heraus, dass im Internet, welches ja nie lügt, die Postleitzahl des Landhotels falsch angegeben war und das Paket deshalb erst mal auf Halde lag. Puh, das war knapp...
So war am Ende alles wieder gut. Im Hotelrestaurant trafen wir noch einen vegetarisch essenden US-Amerikaner, dem wir bei der Bestellung halfen. Er stellte sich als stark religiöser Geschäftsmann aus dem südlichen North Carolina heraus, der uns zum Dank gleich chinesische Texte zu Jesus zusteckte und unsere Ehe segnete. Mhh, dann heute Abend lieber nur christliche Dinge tun.
May the Lord bless you, too!
Samstag, 6. August 2011
Analog-Filmrollen mit geeignetem EXIF-Datum versehen
Damit es nicht vergessen wird...
Problem: Meine analogen Filmrollen habe ich digitalisieren lassen. Dabei kommen Foto-CDs heraus (z.B. bei dm), die nach dem Motto "img01_01.jpg" heißen, eben bis "img36_36.jpg".
Meine Bildverarbeitung sortiert aber nach EXIF-Zeitstempel, und nicht nach irgendwelchen Dateinamen. Diese sind aber alle gleich, weil sie alle in der selben Sekunde digitalisiert wurden. Außerdem ist das das Digitalisierungsdatum, nicht etwa das Aufnahmedatum. Mit digikam konnte ich mit dem Time & Date-Adjust-Plugin alle Zeiten auf den 21. Juli setzen, das Datum, an dem ich mit dem Fotografieren dieses Films begonnen hatte.
Das war schon besser, aber immer noch nicht gut. Jetzt hatten alle Bilder das ungefähre Knipsdatum, aber eben alle das gleiche. Die Sortierung war immer noch nicht ok! Also habe ich das Perl-Exiftool installiert und folgenden bash-Einzeiler eingetippt:
for i in *.jpg ; do num=${i:4:2} ; exiftool -AllDates+='00:'$num'' -P -overwrite_original "$i" ; done
Das nimmt alle JPG-Dateien, nimmt die vierten Stelle des Dateinamens zwei Zeichen (hier also 00 bis 36), und addiert diese als Minuten auf den Zeitstempel des Bildes. Das Bild img05_05.jpg erhält also nun den 21. Juli plus 05 Minuten als Zeitstempel, was die Sortierung wieder in Ordnung bringt.
Man müsste das nun nur noch "streckbar" machen (also bspw. alle Zeitstempel zwischen Erstknips- und Letzknipsdatum äquidistant verteilen) und den Exiftool-Aufruf in die Kipi-Plugins integrieren, dann wäre das ein prächtiges Feature für digikam. Wenn ich mal nachts nicht schlafen kann..
Problem: Meine analogen Filmrollen habe ich digitalisieren lassen. Dabei kommen Foto-CDs heraus (z.B. bei dm), die nach dem Motto "img01_01.jpg" heißen, eben bis "img36_36.jpg".
Meine Bildverarbeitung sortiert aber nach EXIF-Zeitstempel, und nicht nach irgendwelchen Dateinamen. Diese sind aber alle gleich, weil sie alle in der selben Sekunde digitalisiert wurden. Außerdem ist das das Digitalisierungsdatum, nicht etwa das Aufnahmedatum. Mit digikam konnte ich mit dem Time & Date-Adjust-Plugin alle Zeiten auf den 21. Juli setzen, das Datum, an dem ich mit dem Fotografieren dieses Films begonnen hatte.
Das war schon besser, aber immer noch nicht gut. Jetzt hatten alle Bilder das ungefähre Knipsdatum, aber eben alle das gleiche. Die Sortierung war immer noch nicht ok! Also habe ich das Perl-Exiftool installiert und folgenden bash-Einzeiler eingetippt:
for i in *.jpg ; do num=${i:4:2} ; exiftool -AllDates+='00:'$num'' -P -overwrite_original "$i" ; done
Das nimmt alle JPG-Dateien, nimmt die vierten Stelle des Dateinamens zwei Zeichen (hier also 00 bis 36), und addiert diese als Minuten auf den Zeitstempel des Bildes. Das Bild img05_05.jpg erhält also nun den 21. Juli plus 05 Minuten als Zeitstempel, was die Sortierung wieder in Ordnung bringt.
Man müsste das nun nur noch "streckbar" machen (also bspw. alle Zeitstempel zwischen Erstknips- und Letzknipsdatum äquidistant verteilen) und den Exiftool-Aufruf in die Kipi-Plugins integrieren, dann wäre das ein prächtiges Feature für digikam. Wenn ich mal nachts nicht schlafen kann..
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